Dülmener Wallfahrt

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Nach der Überlieferung der Dülmener "Hardenbergbruderschaft" und des Franziskanerklosters in Neviges waren Dülmener Wallfahrer schon ab 1682 dabei". Urkundlich ist das nicht zu belegen, weil seinerzeit solche Laienaktionen ebenso wenig der kirchlichen Dokumentation bedurften wie heute. Was nun die Dülmener Wallfahrt nach dem Hardenberge angeht, so steht in allen Schriften, die sich mit der Geschichte des Wallfahrtsortes befassen, bemerkt, dass neben Düsseldorf, Werden, Groß-Reken und Dorsten die Dülmener zu den ersten und treuesten Pilgergruppen zählen.

Die Pilger der Gründerjahre haben auf ihrem langen Weg viel Leid und Not klagen, aber auch Dank sagen können, dass sie diese schrecklichen Jahre überlebt haben. Ihre Bittgebete, vor neuen Schrecken bewahrt zu bleiben, mögen vergleichbar sein mit den Gebeten in den Luftschutzbunkern während der Bombennächte des letzten Krieges.                                                              

In Holzschuhen, mit Sackringstenwagen für die "Knappsäcke" und für Fußkranke, gingen nach der Überlieferung die ersten Wallfahrer in zwei Tagen die rd. 80 km über Recklinghausen, Essen, Werden, Velbert nach Neviges und in den folgenden zwei Tagen wieder zurück. Eine beschwerliche Wallfahrt; sie hatte zudem in der unsicheren Zeit mancherlei Gefahren für Leib und Leben, für Hab und Gut zu bestehen. Diese Art zu pilgern kennen noch manche lebenden Veteranen von ihren Eltern. Fast 200 Jahre war dieses die einzig mögliche Art einer Wallfahrt zu einer entfernten Gnadenstätte. Als Januar 1870 die Bahnlinie Münster - Wanne eröffnet wurde, hat man sich entschlossen, den größten Teil der Wallfahrtsstrecke mit der Bahn zu fahren; denn von Wanne bis Altenessen lief die Eisenbahn schon seit Mai 1847. So konnte man sich rd. 50 km Fußmarsch ersparen und 2 Tage Zeit. Zeit aber begann damals, bei der fortschreitenden Industrialisierung, schon knapp zu werden. Welcher Arbeiter, welcher Familienvater konnte es sich leisten, 2 Tage Arbeit zu versäumen und Arbeitslohn zu verlieren? Einige Jahre später ließ sich der Industrielle Alfred Krupp eine Privatbahn bis nach "Villa Hügel" legen, die am 15.8.1877 in das Streckennetz der damals "Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft" einbezogen wurde. Damit wurde der Bahnhof "Hügel" eine allgemeine Bahnstation und machte eine weitere Verkürzung der Fußwallfahrtsstrecke um etwa 10 km möglich.

Die große Weltkatastrophe war auch an den Nevigeser Wallfahrtsstätten nicht ohne Schaden vorübergegangen. Der Chorraum der Kirche wurde durch Bomben schwer beschädigt, der vordere Teil des Kreuzberges von einer Luftmine fast völlig zerstört. Jedoch der Pilgerverkehr zeigte eine erstaunliche Kontinuität. Die Stunde Null hat es für die Hardenberg Wallfahrt nicht gegeben. Zum Symbol ihrer nicht zu erschüttenden Fortdauer sind die Dülmener Pilger geworden: "Selbst im Chaos des Kriegsschlussjahres 1945 hat sich eine Handvoll Männer auf zum Teil abenteuerliche Weise, zu Fuß und per Kohlenwaggon oder mit dem Fahrrad, nach Neviges durchgeschlagen, dort versammelt und ist gemeinsam eingezogen. Die Patres waren sehr erstaunt dass die Ankündigung ihres Priors: Wir müssen damit rechnen, dass die Dülmener heute kommen, sich bewahrheitete.