Das Gnadenbild

Gnadenbild

Das Hardenberger Gnadenbild ist das Ziel der Wallfahrer aus Dülmen, für das der Bildhauer Elmar Hillebrand eine moderne vier Meter hohe Säule aus dem Naturstein Pepperino aus den Abruzzen geschaffen hat.

Der Kupferstich, ein schlichtes Andachtsbild, herausgelöst aus dem Gebetbuch "Palmgärtlein", erschienen 1661 in Köln, zeigt die Abbildung Marias nach einer Darstellung aus der Geheimen Offenbarung (12,1):"Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau, von der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen und auf ihrem Haupte einen Kranz von 12 Sternen." Maria steht auf der Mondsichel und hat der teuflischen Schlange den Kopf zertreten, der schlaff mit herausgestreckter Zunge nach unten hängt. Das Haar der Gottesmutter ist wie eine Krone um den Kopf geflochten und fällt dann - als Zeichen der Jungfräulichkeit - lang über die Schulter herab. Am unteren Bildrand zwei Engel, die mit Dornen umwundene Lilien und Rosenzweige- als Zeichen der Reinheit und Liebe- in den Händen halten. Entsprechend erscheint auch das Rosenmotiv immer wieder in den großen Fenstern der Kirche.

Am Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens scheiden sich die sprichwörtlichen Geister. Auch weil seine Entstehung aus einer Zeit rührt, in der ein großer Teil der Kirche Fragen zur modernen Gesellschaft grundlegend anders bewertet hat, als es heute getan wird.

Das Gedenken der ohne Erbsünde empfangenen Maria verweist auf den Anfang eines jeden Menschen.Damit bringt die Kirche zum Ausdruck, dass es um den reinen Anfang und das reine Herz geht, in dem Gott seinen neuen umstürzenden Anfang mit der Welt setzt und selbst Mensch wird.

Ein wunderbarer Gedanke! Der Kern des Dogmas führt uns zu unserem eigenen innersten Kern: unser Geschaffensein von Gott mit all dem, was er vorausschauend und liebevoll in uns angelegt hat. In diesem anfänglichen Zustand zu bleiben ist uns jedoch nicht möglich. Die Rede von der Erbsünde verweist auf unsere unüberwindlichen menschlichen Grenzen; zu schwer ist es, in jedem Moment darauf zu vertrauen und darauf zu bauen, dass Gott in allem unser Bestes will - dass der Anfang unsere Zukunft sein kann.

Wir glauben dennoch, dass Maria das gelungen ist: Dass sie in ihren Entscheidungen, in ihrem Alltag Gott alles zugetraut hat, letztlich Gott mehr getraut hat als sich selbst und immer "Anfängerin" geblieben ist. So konnte sie selbst Teil eines ganz neuen Anfangs Gottes mit den Menschen werden, so konnte sie Gott zur Welt bringen.

"Wir müssen Gott nicht weiter entgegen gehen, als bis zu uns selbst", formuliert Bernhard von Clairvaux diese Suche nach dem eigenen Anfang. Das bedeutet nicht, dass uns das Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens einlädt, in der Frage nach Gott bei sich selbst zu bleiben. Im Gegenteil. Wenn wir Gottes bleibend anfänglichen Blick auf uns entdecken - daran glauben, dass Gott nicht aufhört uns so zu sehen, wie er uns erschaffen hat, auch wenn wir uns von diesem Anfang entfernen - und wenn wir wie Maria nach dem eigenen Anfang suchen und immer wieder dahin zurückkehren, lernen wir auch, unser Gegenüber in seinem Geschaffensein zu sehen, gestehen ihm seine Suche und auch seine Schwäche zu. So verändert sich unser Miteinander. So können auch wir Gott in diese Welt bringen.

Das lohnt sich zu feiern, dafür lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen - jedes Jahr aufs Neue und im Alltäglichen, damit wir nicht aufhören, anzufangen.

(Bildquelle: franziskaner.de)